Das Essen, Öl und Kuba

Erdöl wird nicht nur, wie viele denken, in Treibstoff umgewandelt, sondern für fast alles in unserer heutigen Welt verwendet. Für Plastik, sehr viele Chemikalien (Petrochemie), Medikamente, unseren Straßenbelag und vor allem in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft und unser Essen im Allgemeinen will ich hier mal näher beleuchten.

Unser Dünger ist aus Öl, die landwirtschaftlichen Maschinen laufen mit Benzin, die Pestizide und Spritzmittel gegen Insekten werden aus Öl hergestellt. Das fertige Produkt wird dann noch mit Hilfe von Öl um die halbe Welt geschifft und gefahren und landet schließlich in Supermärkten zu denen wir mit dem Auto fahren und ist dann noch in Plastik eingepackt.

Wir essen also Erdöl! Ohne Öl lässt sich die Bevölkerungsexplosion im letzten Jahrhundert nicht erklären, da Öl billiges Essen und gute Medizin gebracht hat. Wir verbrauchen 12 Kalorien an Öl und Ölprodukten pro Kalorie im Essen!
Wäre ja alles ganz Nett, wenn Öl kein endlicher Rohstoff wäre. (über Peak Oil schreibe ich nochmal einen eigenen Artikel irgendwann und über die Folgen für das Klima wissen wir ja schon Bescheid)

Fakt ist: Auf lange Sicht wird das Öl teurer! Das ist unvermeidlich bei wachsender Wirtschaft (besonders in China und Indien) und sinkenden Vorräten an Öl. Es sei denn die Nachfrage sinkt…

Zumindest im Bereich Essen will ich eine interessante Entwicklung in Kuba aufzeigen.

Das war so:
Kuba hat, was Erdöl angeht in der Landwirtschaft genauso gehandelt wie wir es tun. Es gab billiges subventioniertes Öl aus der UDSSR. Als die dann mit der Wende zusammenbrach stand Kuba erst mal blöd da. Wirtschaftlich ging es denen damals dreckig. Durch das US-Handelsembargo waren sie von allen wesentlichen westlichen Gütern abgeschnitten,  und auch vom billigen Öl.
Sie MUSSTEN nach Alternativen suchen es war kein grüner Idealismus der sie zum Umdenken gebracht hat.

Naja, auf jeden Fall ist die Landwirtschaft in Kuba heute so:
-Die Landwirtschaft wurde stark dezentralisiert. Produkte werden so nah wie möglich an der Anbaufläche verkauft und die angebauten Pflanzen wurden weitgehend umgestellt von Exportwaren auf Lebensmittel für die lokale Bevölkerung.
-Statt Spritzmitteln und Pestizide werden die natürlichen Feinde der Schadinsekten gezüchtet und bei Bedarf freigelassen. Auch wurden Pflanzen die Schadinsekten vertreiben oder anziehen taktisch in oder um die Felder angepflanzt. Extrakte aus Zwiebeln und Knoblauch helfen gegen Pilzbefall.
-Der (weniger effiziente aber natürliche) Dünger wird aus Bioabfällen und mit Hilfe von Regenwürmern erzeugt.
Um nur die wichtigsten zu nennen…

All das führte dazu, dass das Verhältnis von Öl zu Essen sich in Kuba umgekehrt hat.  Kuba hat heute eine Landwirtschaft, die fast ohne Erdöl auskommt. Auch in anderen Bereichen wird nach alternativen gesucht, wie z.B. mit einer stark ausgebauten Naturmedizin. (Medikamentenboykott gegen Länder ist ja mal wohl das Assigste was es gibt!)
Interessant ist auch, dass in Kuba die Landwirtschaft fast nichts mit Kommunismus zu tun hat. Die Agrarbetriebe sind zwar kommunal, in dem Sinne dass sie den Mittarbeitern gehören, sie sind aber den für uns ganz normalen Markt unterworfen. Das führt dazu, dass man als Bauer mehr verdienen kann als ein Arzt im Staatsdienst.
Ich will hier nicht die Systemfrage stellen, aber es zeigt doch, dass es geht wenn man will. Kuba ist, obwohl es den Menschen in Vergleich zu uns sehr schlecht geht, ein sehr gebildetes Land. Jeder kann lesen, das gibt es sonst in keinen 3. Welt Land! Die Menschen haben Ideen. Darum geht es mir.

Aufmerksam wurde ich auf dieses Thema über den Roman „Ausgebrannt“ von Andreas Eschbach und Fefes Blog

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