Wie demokratisch sind Einschaltquoten?

Da unser Fernsehen zum größten Teil werbefinaziert ist und man für die Werbung umso mehr Geld bekommt je mehr Zuschauer diese sehen, bestimmt die Einschaltquote fast unser gesamtes (privates) Fernsehprogramm. Klingt doch eigentlich wunderbar demokratisch! Es läuft das im Fernsehen was die meisten Zuschauer sehen wollen.

Nur leider stimmt das nicht ganz. Es entscheidet die sogenannte „werberelevante Zielgruppe“. Also alle zwischen 14 und 49. Alle außerhalb dieses Alters sind für die werbende Industrie nicht interessant.

Folgende Tabelle aus Wikipedia zeigt deutlich wie dieses Verfahren die Quoten zugunsten der Privatsender verändert:

Und dieses System führt noch zu anderen Problemen. Jeder kennt das selbst beim zappen. Man bleibt da hängen, wo etwas spektakuläres, sexuelles oder total bescheuertes läuft. Gerade bescheuerte Inhalte scheinen wahnsinnig anziehend zu sein. Ich erkläre mir das so:

Wenn man im Fernsehen geschauspielerte „Dokus aus dem echten Leben“ schaut hat man A was zum Lästern, was ja immer Spaß macht und B es beruhigt. Man kann sich irgendwelche kaputten Familien anschauen und freut sich wahnsinnig darüber wie normal man doch ist.
Nur sind wie schon gesagt die meisten dieser Dokus sind geschauspielert oder so geschnitten, dass die Realität total verzerrt wird. Z.B. wie hier bei Frauentausch:


(das Video wird immer wieder „aus Ürheberechtsgründen“ gelöscht wenn es mal wieder weg ist, dann einfach nach „Die Wahrheit über Frauentausch“ suchen, irgendjemand läd es immer neu hoch)

Außerdem werden mittlerweile viele Programme der Werbung die dazwischen liegt zugeschnitten. Das ist reine Statistik. Wenn man nach einer Doku über die Unsicherheit der Rente eine Werbung für eine Zusatzrente bringt, dann spricht das die Leute natürlich mehr an und man kann dafür mehr Geld verlangen. Nur darf die Doku vor der Werbung nicht kritisch sein, da dies den Effekt natürlich wieder zerstört. Die Werbung nimmt also Einfluss auf das Programm. (von Schleichwerbung ganz zu schweigen)

Zur Quotenerhebung werden von der Gesellschaft für Konsumforschung in 5.640 repräsentativen Haushalten (ca. 13.000 Bewohnern) sogenannte Quotenboxen installiert die das Fernsehverhalten beobachten. Jeder im Haushalt hat eine eigene Taste mit der er sich anmeldet. Das klingt wenig, ist mathematisch aber korrekt. (hab ich nicht nachgerechnet, sagen die Mathematiker) Eine Quotenbox steht für über 10 000 Zuschauer.
Allerdings wird der Begriff „repräsentativ“ für mein Verständnis seltsam ausgelegt. Als Grundlage gilt nicht der Durchschnitt der in Deutschland lebenden Bürger, sondern alle die GEZ Gebühren bezahlen. Das hat zwar eine gewisse Logik, weil es ja um die Leute geht die überhaupt einen Fernseher haben, verzerrt aber die Wirklichkeit da dadurch sehr viele Studenten, Arbeitslose, Zivis (hihi),… die überhaupt keine GEZ Zahlen außen vor bleiben.

Natürlich darf Fernsehen unterhalten und ich bin auch nicht dafür die ganze Zeit nur ernste Themen zu bringen, aber man muss sich diesen Prozessen bewusst sein, um wirklich frei konsumieren zu können.

Wer sich diesen Thema etwas humorvoller nähern will, dem empfehle ich den Film „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ von Hans Weingärtner.  Oder das gleichnamige Buch mit vielen zusätzlichen Infos.

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Eine Antwort zu Wie demokratisch sind Einschaltquoten?

  1. Pingback: Vorproduzierte Beiträge mit Schleichwerbung | zorniger Entsafter

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