Lobbys im Klassenzimmer

Folgender Eintrag ist für den Fall, dass Lehrer oder Schüler diesen Blog lesen ;). Für alle Anderen ist es aber evtl. auch ganz interessant. Dass Lobbygruppen in den Lehrplänen ihre Finger im Spiel haben ist ja bekannt, jedoch ist das für viele zu offensichtlich, daher gehen manche Lobbys andere Wege unsere Kinder umfassender zu informieren. Der grundsätzlich gute Ansatz (einer der wenigen brauchbaren Vorschläge der FDP) Schulen mehr selbst zu überlassen wie sie arbeiten und damit mehr Wettbewerb und unterschiedliche Profile zu schaffen, bringt viele Schulen in die Situation sparen zu müssen bzw. Prioritäten zu setzen. Da sind kostenlose Unterrichtsmaterialien natürlich gern gesehen.

So gibt es Vorgefertigte Arbeitsblätter, Folien, Statistiken usw.

Ein Beispiel: Die „Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung e. V.“ ist nach eigenen Angaben ein gemeinnütziger Verein, der Lehrern und Schülern dabei helfen soll „Lücken in der Unterrichtsversorgung“ zu schließen. Die Arbeitsgemeinschaft gibt sich modern und unabhängig.
Es gibt Hinweise darauf, dass der Verein eine reine Propagandamaschine des „Verlag für Wissen und Innovation“ ist (der zu 50% der FDP gehört) aber ich will mich mal an die Fakten halten. Und Fakt ist, dass in die Sammlung der Arbeitsblätter ein Blatt zu finden ist/war, das nachweislich von der Atomlobby erstellt wurde.
Spiegel Online schreibt z.B.:

Seriös und überparteilich kommt es daher, das „Arbeitsblatt“ für die 9. und 10. Klasse zum „Unterrichtsthema: Atomkraft“. Es gibt einen einleitenden Text zum „Schock im Januar 2009“, als Russland im Streit mit der Ukraine den Gashahn zudrehte, sowie über die Sorge, ob Energie bald „unbezahlbar“ werde. Und es gibt neun Zitate zur Kernkraft, darunter von RWE-Chef Jürgen Großmann, einem FDP-Wirtschaftsminister, einem Physiker, von Greenpeace und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).
Die Schüler sollen „die Argumente in einer Tabelle nach ,Pro‘ und ,Kontra'“ ordnen. Sechs Zitate, satt gefüllt mit Fakten und Zahlen, sind schnell als Beiträge pro Kernenergie identifiziert. Die drei Gegenstimmen erschöpfen sich in schlichten Feststellungen wie jener des BUND: „In Deutschland brauchen wir die Atomkraft nicht, die erneuerbaren Energien können sie spielend ersetzen.“

Derart munitioniert werden die Schüler aufgefordert, die „eher schwachen“ und die „überzeugenden“ Argumente zu benennen. Und wer noch immer nicht vom Segen der Kerntechnik überzeugt ist, der wird sicher gleich bekehrt sein, wenn er in der folgenden Aufgabe „die Interessen der Arbeitnehmer“ berücksichtigen soll. Als Denkanstoß präsentiert das Unterrichtsmaterial eine Passage aus der „Wirtschaftswoche“ vom 16. Februar 2009: „Die Atomindustrie blüht und wächst. Inmitten der Wirtschaftskrise gibt es sogar neue Arbeitsplätze und Aufträge aus dem Ausland.“

Es gibt schon länger Arbeitsmaterial von Lobbys, jedoch waren diese immer als solche zu erkennen. Wenn jetzt Lobbymaterial zwischen neutralen Material gemischt wird, ohne es zu kennzeichnen, ist das bedenklich. Es ist ja nicht grundsätzlich Falsch zu sagen: „Und das ist der Standpunkt der Anderen Seite“. Das kann im Unterricht sogar sehr wichtig sein, aber es muss eben klar sein, von wem die Infos kommen.

Nicht direkt Lobbyarbeit aber auch bedenklich ist das Verschenken von Schulbüchern, des „Verlag für Wissen und Innovation“. Komische Geschichte, letztendlich geht es um Datenklau. Wens Interessiert kann das hier nachlesen.

Zum Weiterlesen:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,692880,00.html
http://www.jugend-und-bildung.de/unterrichtsmaterial
(Der Verein Selbst)
http://carruba.de/?p=936
http://manubloggt.de/index.php?/archives/188-Datenklau-im-Klassenzimmer.html

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