Kongresswahlen in den USA – was ist Gerrymandering?

Morgen sind in den USA Kongresswahlen, und die Mehrheit der Demokraten droht zu kippen. Das liegt nicht nur an den Mehrheitsverhältnissen, sondern auch in der Aufteilung der Wahlbezirke. Das Repräsentantenhaus in den USA wird nämlich im Mehrheitswahlsystem gewählt, d.h. wenn in einem Wahlbezirk ein Kandidat 51% hat, so hat dieser gewonnen und die 49% des Gegenkandidat wandern in die Mülltonne.

Normalerweise werden die Wahlbezirke alle 10 Jahre kurz nach einer Volkszählung neu eingeteilt. Dabei ist es üblich, dass die Partei, die gerade an der Macht ist die Wahlbezirke zu ihrem Vorteil einteilt. Das geht so:

Man weiß aus Statistiken, in welchen Gebieten eher eine bestimmte Partei gewählt wird. Wenn man diese Gebiete geschickt zerstückelt, verändert man das Gesammtergebnis. Im Repräsentantenhaus sind dadurch nur noch ca. 1/15 der Sitze wirklich regelmäßig umkämpft. Hier die wichtigsten Taktiken: (aus Wikipedia)

Verdünnung

Wahlkreiszuschnitt, sodass die Opposition den Wahlkreis nicht gewinnen kann und die oppositionellen Stimmen verfallen.

Hochburgbildung

Möglichst viele Wähler der Opposition in einem „Wegwerf“-Wahlkreis zusammenfassen, sodass viele überschüssige, für den Wahlerfolg nicht mehr benötigte Stimmen anfallen, die der Opposition dann in anderen Wahlkreisen fehlen.

Aufeinanderhetzung

Dies ist dann möglich, wenn nur Bewohner dieses Wahlkreises darin auch wählbar sind. Ein Wahlkreis wird so gebildet, dass zwei z. Z. aktive Abgeordnete der Opposition ihren Wohnsitz darin haben. Einer der beiden muss umziehen oder bei der nächsten Wahl gegen den anderen kandidieren oder seinen Sitz aufgeben.

Eine Hand wäscht die andere

Beide Parlamentsfraktionen teilen gemeinsam die Wahlkreise so auf, dass derzeitige Sitzinhaber mit großer Wahrscheinlichkeit wiedergewählt werden, während Gegenkandidaten wenig Chancen haben. Anstrengende Wahlkampagnen und schwer zu haltende Wahlversprechen werden somit vermieden, auch müssen die Abgeordneten kaum noch Rücksicht auf die Wechselwähler der politischen Mitte nehmen und können somit besser auf Parteilinie gebracht werden.

Hier noch eine Grafik, die Verdeutlicht wie man durch geschickte Einteilung der Wahlkreise falsche Mehrheiten erzeugen kann. Trotz der Überzahl der blauen Stimmen, gewinnen die Roten Stimmen:

In den USA ist das nur verboten, wenn es erkennbare rassistische Gründe hat, z.B. als eine Mehrheit der Latinos ohne Grund zerstückelt wurde.

Das ganze heißt „Gerrymandering“ nach einem Gouverneur von Massachusetts im frühen 19. Jahrhunderts, Elbridge Gerry, dessen Wahlbezirk nach einem Neuzuschnitt – wie ein Zeitungskarikaturist bemerkte – wie ein Salamander aussah. Daher auch der Name Gerry + Salamander.

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