Privatisierung von Wörtern geht weiter

Wem gehört Sprache? Dem Duden Verlag oder einer Regierung, etwa sogar dem Volk? Der Trend geht zu Firmen, die sich die Rechte auf bestimmte Wörter schützen lassen. Die ursprüngliche Idee war es sich davor zu schützen, dass jemand aus einem eingängigen Markennamen Profit zieht. Bekannteste Beispiele sind „Tempo“ Taschentücher oder der „Föhn“ den jeder so nennt, aber nur eine Firma darf ihn so nennen. Bei allen Anderen heißt er „Haartrockner“.

Soweit so gut.  Das ist zwar bizarr aber noch irgendwie verständlich. Seit einigen Jahren nimmt das ganze aber Formen an, die für mich nicht mehr verständlich sind.

Anlass dieses Textes: Facebook lässt sich das Wort „face“ sichern, es darf jetzt von keinen Sozialen Netzwerk oder Chat verwendet werden. Nebenher verklagen sie noch Lamebook wegen Verwendung des Wortes „book“.

Wegen Lamebook gibt es auf Facebook jetzt folgende Zensurmaßnahmen Maßnahmen zum Markenschutz: (von Netzpolitik.org)

  1. die Fan-Seite von Lamebook gelöscht
  2. deren Like-Button unschädlich gemacht,
  3. die Verwendung des Wortes Lamebook auf Facebook unmöglich gemacht (was übrigens auch private Nachrichten betrifft!) ebenso wie
  4. das Verlinken von Lamebook.com vollständig verhindert.
  5. sich sogar aktiv in die Gespräche anderer eingemischt

Und so geht es schon eine Weile: Apple verklagte den Eierbecher EiPott und Jack Wolfskin eine Frau die selbstgemachte Stickereien mit Pfoten drauf verkaufte, sowie die TAZ wegen des Pfoten Logos. Der Autor Andreas Eschbach hat eine Text Überarbeitungs-Vorbereitung für Autoren erstellt und gab dieser einen eingängigen Namen . Prompt kam die Abmahnung vom TÜV. Ich könnte ewig weiter machen. Zurzeit entscheidet sich, ob die Pressefreiheit oder das Markenrecht wichtiger sind, da Blogger immer häufiger Abmahnungen von Firmen bekommen, wenn diese namentlich in einen kritischen Bericht erwähnt werden.

Jetzt gilt es, eine gesunde Balance zwischen Markenrecht und Künstler/Pressefreiheit zu finden, ich persönlich finde, dass allgemein gebräuchliche Wörter nicht ohne weiteres Geschützt werden sollten, das gilt auch für Logos wie eine Pfote.

UPDATE: Scheibar kann man das Wort lamebook jetzt wieder auf Facebook verwenden.

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