Was Silvesterraketen mit Gentechnik zu tun haben

Die TAZ schreibt heute über Rapssamen in Silvesterraketen. Diese dienen der Optik und gibt den eigentlichen Feuerwerksstoffen eine Struktur. Ob diese Rapssamen genmanipuliert sind wird aber nirgends kontrolliert. Etwa 5% dieser Samen könnten die Explosion überleben und wären dann über Jahre keimfähig. Und es fliegen jede Silverster eine ganze Menge Raketen durch die Gegend. Die Taz schreibt von „bis zu zehn Millionen keimfähige Rapssamen“.

Ich bin kein grundsätzlicher Fein der (grünen) Gentechnik, es gibt durchaus sinnvolle Anwendungsbereiche, doch so wie sie heute praktiziert wird, ähnelt sie mehr einen Ausbeutungssystem als einen Geschäftsgebiet.
Für mich gibt es zwei Hauptprobleme:

1. Gentechnik dient oft nur dazu ein Produkt besser zu verkaufen. Bestes Beispiel ist die Firma Monsanto. Sie ist die größte und umstrittenste Gentechnik Firma. Sie verkauft Saatgut, das gegen bestimmte Pestizide immun ist. Man kann diese Pflanzen anbauen, das Pestizid drüber sprühen und alles außer diese Pflanze stirbt. Somit müssen die Bauern immer auch das passende Pestizid kaufen, dass es nur von Monsanto gibt. Alle großen Gentechnikfirmen sind eigentlich Chemiefirmen.

2. (und das in meinen Augen größte Problem) Die mafiöse Lizenz und Patentpolitik der Gentechnikfirmen, bzw. das Recht, dass einer Firma Gene gehören können.
Und ich sage bewusst mafiös, denn anders kann ich es nicht beschreiben. Es ist so, dass wenn du Gentechnisch veränderte Pflanzen anbaust, du die Ernte nicht benutzen darfst um im nächsten Jahr neu auszusähen. Das wäre eine Lizenzverletzung. Das ureigene Recht der Bauern zu züchten und unabhängig von Saatgutfirmen zu sein geht verloren. Auch Bauern die unabsichtlich (z.B. durch Pollenflug) gentechnisch verunreinigte Felder haben bekommen eine Klage an den hals.

Und da kommen wir zurück zu unseren Silvesterraketen. Sobald eine Pflanze einen gewissen Verbreitungsgrad hat, kann man ihre Vermehrung nicht mehr Kontrollieren.  Durch Pollen, Bienen oder einfach offene Saatguttransporte verbreitet sich die Pflanze.  Das Leben scheißt nunmal auf Grundstückgrenzen. Völlig unabhängig von der ethischen Frage ob man Leben patentieren Lassen darf, (dieselbe Frage stellt sich für mich auch bei Medikamenten) ist eine einmal verbreitetes Gen nicht zu kontrollieren. Wenn dieses Gen aber einer Firma GEHÖRT, und diese jeden verklagen darf der es anbaut, dann macht man Menschen die nichts getan haben zu Sklaven. Da es in diesen Bereich riesige Monopole gibt schafft man gleichzeitig noch eine Macht, die unsere Nahrung kontrolliert und damit in letzter Konsequenz alles.

Hier eine (etwas ältere) Doku, die sehr gut das Ausmaß des ganzen zeigt. Besonders in den USA ist das ja ziemlich krass.
Der im Video gezeigte Mr. Schmeiser hat Übrigends mittlerweile den Prozess doch noch gewonnen.
Und das ist die Deutsche Interessensvertretung gegen die Saatgut Mafia. (die ihr Spiel auch mit nicht gentichnisch veränderten Pflanzen spielt)

PS: bevor die Abmahnungen kommen: es gibt auch gute und ehrenwerte Saatguthändler.
PS2: Die Piratenpartei hat eine gute Übersicht über die Problematik bei Biopatenten

Und nochmal was:
Wikileaks hat dieses sehr interessante Cable in dem die USA gebeten wird, doch bitte mehr Druck auf die EU in Sachen Gentechnik Zulassung auszuüben.
Sie beschweren sich auch, dass Pflanzen die EU weit erlaubt sind, in einzelnen Ländern trotzdem immernoch illegal sind, Sehr interessant auch diese Passage:

(…)a de facto agreement between the Government of France and Greenpeace/Friends of the Earth whereby the GOF would support the anti-GMO movement and environmental activists would turn a blind eye to Sarkozy’s nuclear energy initiatives.

Wusste garnicht, dass Greenpeace solche Deals macht.

Und nochmal nen Update: Greenpeace dementiert mit den Worten:

„it is almost impossible to imagine such a deal! The pro-GE lobby, so blinded by their ideology, are apparently unable to believe that the leaders of a country like France have introduced a ban based on serious scientific uncertainties around GE crops, as well as the opposition by the majority French citizens. And Greenpeace would never agree to such a deal.

Kann jetzt jeder halten wie er will.
via

Ok nachdem ich den Artikel jetzt mit tausenden Updates verschandelt habe, leiste ich mir wenigstens noch eine Schlussfolgerung:
Gentechnik ist vor allem Rechtlich problematisch. Wäre es eine einfache technische Erweiterung der Zucht (nur mit mehr Kontrollen als die klassische Zucht) so könnte sie ganz Sinnvolle Dinge bewirken. Durch die Patente und Lizenzen werde, einerseits nur Pflanzen erforscht, die kommerziellen Nutzen bringen und andererseits Bauern in Abhängigkeit gebracht. Man muss verdammt vorsichtig sein, da Genstechnik oft Nebeneffekte hat, die keiner ahnt (z.B. Nussgen in Mais bewirkt bei Nussalergikern ne Allergie beim Mais essen) aber wenn man garnicht forscht gibt man die Bahn frei für Länder die weniger vorsichtig sind.

Aber über Alternativen zum Patentsystem werde ich nochmal gesondert bloggen.

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3 Antworten zu Was Silvesterraketen mit Gentechnik zu tun haben

  1. Stefan Rauschen schreibt:

    Zorniger Entsafter,

    zu den von Dir aufgeworfenen Punkten ein paar Ausführungen, weil sie wichtige Punkte enthalten:

    1. Nachbau ist ein komplexes Thema. Bei vielen Kulturen spielt er immer noch eine Rolle, bei manchen so gut wie gar keine mehr. Reiner Nachbau ist auch nicht allein seeligmachend, weil man vom Züchtungsfortschritt ja nicht profitieren würde. In den letzten Jahrzehnten ist er immer weiter zurückgegangen, auch weil es seit über 50 Jahren Bestrebungen gibt, die Entwicklungsleistungen der privaten Pflanzenzüchter durch den Sortenschutz besser zu entgelten (siehe auch UPOV http://en.wikipedia.org/wiki/UPOV).
    Das grundlegende „Problem“ ist, dass die Pflanzenzucht immer mehr privatisiert wurde. Da es ein teures und sehr aufwändiges Geschäft ist, müssen die Züchter natürlich das investierte Geld irgendwie reinkriegen.
    Wenn sie nur einmal Geld bekommen, wenn sie ihr zertifiziertes Saatgut verkaufen, gelingt das nicht – daher wurden dann Nachbaugebühren eingeführt, so dass die Züchter einen stetigeren Geldfluss haben, der ihre weitere Arbeit ermöglicht. Hat also erstmal nichts mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu tun, sondern damit, wie aktuell Pflanzenzucht reglementiert ist.

    Ein weiterer Aspekt ist die Hybridzüchtung (http://de.wikipedia.org/wiki/Hybride). Bei Mais, Roggen und Raps spielt das eine große Rolle, andere Kulturen ziehen nach: hier macht Nachbau keinen Sinn, weil die Folgegeneration in Bezug auf die positiven Merkmale und den Ertrag nicht homogen wäre. Daher kaufen Landwirte hier selbstverständlich jedes Jahr neues Saatgut – auch weil es sich lohnt. Landwirte sind schließlich Unternehmer, die genau rechnen können müssen.
    Und was das angeht, ist die Hybridzüchtung sicher ein voller Erfolg, der auch in Zukunft bei anderen Kulturen durchschlagen wird. (In der EU und zwischen den Kulturen ist der Anteil an Hybriden bzw. Nachbau übrigens sehr unterschiedlich.)

    2. Patente sind in der Tat ein wichtiges Thema. Man sollte bedenken, dass die gesetzliche Ausgestaltung von Patentangelegenheit sehr unterschiedlich und international nicht harmonisiert ist. In den USA, der EU und Indien sind also vollkommen unterschiedliche Sachen möglich.
    Schmeiser ist aber auch ein Beispiel dafür, wie man eine Geschichte geschickt ausschlachtet. Wenn man sich eingehender mit dem Fall befasst (http://en.wikipedia.org/wiki/Monsanto_Canada_Inc._v._Schmeiser) merkt man schnell, dass Schmeiser bewusst Pflanzen, die er mit Roundup behandelt hatte, heraussuchte und als Saatgut für das folgende Jahr verwendete. Das war ein ganz gezielter Vorgang, und erklärt auch, warum der Anteil an GV Pflanzen in seinem Bestand so hoch war.
    Wie die GV Pflanzen ursprünglich auf sein Gebiet gekommen sind, war dabei für das Gericht unerheblich. Die folgenden Schritte waren entscheidend, und die hat Schmeiser nunmal im vollen Bewusstsein genommen. Ihn als Auskreuzungsopfer darzustellen ist eine der Propagandageschichten der Anti-Gentechnik-Bewegung in Deutschland. In Kanada, so versicherte mir ein Kollege, ist Schmeisers Fall lange kein Thema mehr.

    Patente sind auf jeden Fall ein streitbarer Punkt, zu dem ich mir persönlich auch noch kein abschließendes Urteil gebildet habe (im Allgemeinen, wie im Speziellen). Gene patentieren zu können halte ich für vollkommen absurd, ich denke aber, dass technische Entwicklungen auf Basis des Wissens über Gene und mit dem Umgang von Genen in bestimmten Fällen patentierbar sein sollten. Aber wo da die Grenzen zu ziehen sind, genau das ist ja der schwierige Punkt.
    Im Ganzen wäre mir ein OpenSource Ansatz lieber. Aber in allen Bereichen…

    3. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Monopolisierung. In der Tat ein Problem. Teilweise aber auch auf die derzeitige Regulierung zurückzuführen. Das auf den Markt bringen einer gentechnisch veränderten Pflanzensorte kostet gut und gerne zwischen 5 und 10 Millionen € und dauert 5 bis 10 Jahre.
    Das kann sich ein kleines Züchtungsunternehmen oder eine Universität nicht leisten. Das können nur die großen Firmen, die in diesem bzw. angrenzenden Bereichen (Pflanzenschutz) tätig sind, denn die haben viel Geld. Und dass dann Pflanzen entwickelt werden, die möglichst gut ins Produktportfolio passen und möglichst viel Profit bringen, das ist halt Marktwirtschaft.

    Der Goldene Reis ist ein gutes Beispiel dafür, dass Forscher an öffentlichen Forschungseinrichtungen an anderen Dingen forschen, als deren Kollegen in der Industrie. Allerdings haben die halt das Geld nicht, um ihre Produkte auf den Markt zu bringen.
    So führt die strenge Regulierung letztlich zur Monopolisierung. Und das ist ein großes Problem für sehr viele Projekte in der EU, die an Universitäten bearbeitet werden, aber sicherlich nie oder erst in ferner Zukunft das Licht der Welt wirklich erblicken werden können – einfach, weil das Verfahren so streng und aufwändig ist.
    Wobei zuletzt ja selbst von der EU festgestellt wurde, dass die Gentechnik bei Pflanzen nicht mehr Risiken birgt, als Methoden der konventionellen Pflanzenzüchtung (allen voran die Mutagenesezüchtung).

    Was wir brauchen ist also eine grundlegende Neuordnung der Regulierung und der Governance der Gentechnik.
    Just my 2 Cents.

    Stefan

  2. Frog schreibt:

    Denkbar wäre doch auch eine genossenschaftlich oder öffentlich rechlich organisierte Erzeugung von neuen Pflanzen, die sobald sie entwickelt sind von den Mitgliedern der Geneossenschaft frei angebaut werden kann.

    Die Kosten für Gentechnik werden in Zukunft sicher sinken, somit wäre eine von den bauern selbstorganisierte Gentechnik denkbar.

  3. Stefan Rauschen schreibt:

    Öffentlich-rechtlich schon, schließlich gab es staatliche Züchtungseinrichtungen sehr lange und gibt sie ja auch immer noch.
    Dass die Kosten der Gentechnik sinken werden mag ich nicht recht glauben. Die Kosten für die Entwicklung/Erzeugung bleiben eher gleich, die Kosten für die Deregulierung/Zulassung werden eher steigen, denn die Bestrebungen gehen derzeit seitens EFSA mehr in die Richtung, noch mehr Experimente (auch und gerade im Freiland) zu fordern, als bislang.
    Auch wenn das bei vielen Pflanzen/Eigenschaften gar keinen rechten Sinn macht…

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