Überwachung durch die Hintertür: auskunftwillige Firmen

Die Wogen im Internet schlagen gerade hoch. Die USA zwingt Twitter Daten des Wikileaks Account freizugeben. Es wird sogar behauptet alle 637.000 (!) Follower des WikiLeaks-Accounts müssten damit rechnen, dass Ihre Kontaktinformationen und Verbindungsdaten an die US-Behörden geliefert werden. Dabei handelt es sich vermutlich um eine Abschreckungstaktik, die versucht die Angst der Wikileaks Sympathisanten zu erhöhen. Das diese wirkliche Konsequenzen zu befürchten haben bezweifle ich mal. In eine Datenbank kommen sie auf jeden Fall.

Unglaublich ist ,dass solche Daten abgefordert werden, ohne das ein konkreter Vorwurf gegenüber diesen Personen vorliegt. Welcher Verbrechen haben sie sich denn schuldig gemacht? Sie lesen Nachrichten.

Wer denkt das wäre eine neue Entwicklung irrt sich. Wer denkt in Deutschland wäre so etwas nicht möglich auch.

Der Staat und Unternehmen arbeiten mittlerweile sehr eng miteinander zusammen, Auskünfte werden gerne gegeben.

Lawblog schreibt dazu:

Praktisch alle großen Anbieter arbeiten mit den deutschen Behörden zusammen, auch wenn sie (offiziell) gar keinen Sitz in Deutschland oder der EU haben. Wer also denkt, seine Daten bei Google, Facebook oder Twitter seien schon irgendwie vor dem Zugriff deutscher Behörden geschützt, irrt.

[…]

Wohlgemerkt, wir reden über richterlich angeordnete Maßnahmen. Unter diesem Level gibt es aber noch die einfachen Anfragen der Polizei, welche Person hinter einem Account steht. Diese Anfragen sind zahlenmäßig viel häufiger. Denn die Polizei fragt mittlerweile schon fast routinemäßig und inflationär Bestandsdaten ab, wenn sie eine Anzeige mit Internetbezug auf den Tisch bekommt.

Die meisten Internetanbieter haben für die Polizei sogar eigene Faxanschlüsse geschaltet. Um die Auskunft zu erhalten, genügt dann ein einfaches Musterschreiben des Polizeibeamten. Die Begründung tendiert regelmäßig gegen Null (“Ermittlungsverfahren wegen Warenbetrug”, “üble Nachrede/Beleidigung”). Aber die Auskunft wird, so jedenfalls meine Erfahrung, anstandslos erteilt.

Dabei müssen sie das nicht. Im selben Blogeintrag heißt es weiter über die Firmen:

Wie jeder andere Zeuge kann er von seinem Recht Gebrauch machen, nicht mit der Polizei zu sprechen. Dann müsste zumindest der Staatsanwalt persönlich die Daten anfordern, was zumindest eine gewisse Kontrolle mit sich bringt.

Was für Konsequenzen hat das?

Wenn ein Staat Überwachungsmaßnahmen einführt gibt es Proteste, wiederstand. Aus irgendeinem Grund vertrauen die meisten Menschen Firmen mehr als dem Staat. Deshalb schaffen Firmen, was der Staat nicht hinbekommt. Und der Staat überwacht durch die Hintertür.

Natürlich ist es freiwillig in einen sozialen Netzwerk zu sein, und staatliche Überwachung ist es nicht, aber wenn man sich die Realität anschaut, so stellt man fest, dass über private Firmen ein sehr großer Teil der Bevölkerung abgedeckt ist.

Und es geht ja nicht nur um soziale Netzwerke. Scoringfirmen sind wahre Datenmonster, und die meisten großen Firmen sammeln Daten ihrer Mitarbeiter (siehe Lidl). Dazu kommt, dass die Entwicklung ja noch lange nicht vorbei ist. Beim angekündigten Google Laptop werden alle Daten zentral gespeichert, statt auf dem Laptop. Das verhindert Datenverlust, wenn einen der Laptop kaputt geht oder geklaut wird, sorgt aber für eine weitere Zentralisierung des Wissens. Durch diese Praxis ist es dem Staat möglich zu überwachen ohne selbst der böse zu sein. Und es ist viel schwerer zu ändern, da die meisten Daten freiwillig abgegeben werden.

Was lernen wir daraus?

Für mich gibt es zwei Punkte:

1.  Vorsichtiger mit deinen Daten umgehen. Auch wenn das schon lange gepredigt wird.

2. Verschlüsselung muss Standard werden, immer und überall. Ich bin da selbst viel zu nachlässig.

Zum weiterlesen:
Spiegel online
lawblog und internetlaw über die Situation in Deustchland
netzpolitik

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