Die Revolution der Araber – macht da der Westen mit?

Mittlerweile fällt Dominostein nach Dominostein in der arabischen Welt, es scheint so als würde es diesmal wirklich um viel gehen. Proteste in Jemen, Jordanien, Ägypten und Tunesien. Die Frage ist, gehen die Araber den Weg der Perser oder wird endlich ein funktionierende, demokratisches System entworfen, dass im arabischen Ländern funktioniert.

Ich komme gerade von einen Seminar für politische Bildung, den ich als Zivi verpflichtend machen muss und hatte dort einen Kurs zum Thema naher Osten. Eine Sache die es mit der Abschaffung des Zivildienstes beim nachfolgenden Bundesfreiwilligendienst wahrscheinlich auch nicht mehr in dieser Form geben wird. Schade, aber deswegen schreibe ich nicht.

Bisher war dem Westen Stabilität in der islamischen Welt immer wichtiger als Demokratie und Menschenrechte. Immerhin wurden ein Großteil der Diktaturen und Regime (teilweise gegen Wahlergebnisse) vom Westen ins Leben gerufen oder am Leben gehalten. Solange sie mit uns verbündet waren ging alles klar. Krassestes Beispiel: Saudi Arabien

Es gibt viele Gründe dafür. Hauptgrund war aber zu verhindern, dass sie sich mit der UDSSR verbündeten. Dieser Grund ist ja jetzt schon eine ganze Weile weggefallen, also was gibt es noch für Gründe? Ich möchte mal einige nennen:

-Die Sicherheit von Israel. In den USA gibt es 10- 20% radikale Evangelikale, die den Staat Israel zu schützen als eine Art heilige Pflicht ansehen. Dazu kommt noch die jüdische Lobby, wobei längst nicht alle Juden pro Israel eingestellt sind. Beide zusammen ergeben eine Wählerschaft, die kein Präsident der USA ignorieren kann. Ich bin sicher, dass das auch ohne Marionettenregierungen möglich ist.
-Natürlich Öl. In Saudi Arabien wird eine menschenverachtende Königsfamilie an der Macht gehalten, weil sie brav Öl liefern, in anderen Ländern des Nahen Osten gibt es ähnliches.
-Besonders Ägypten ist wegen dem Sueskanal von besonderer Bedeutung. Ein Großteil der Schiffe nach Europa durchquert ihn. Die Alternative ist um Afrika herum, und da liegt ja Somalia auf dem Weg. Ägypten erhebt zwar auch jetzt schon ganz ordentliche Gebühren, aber wenn er gesperrt würde, wäre das eine mittlere Katastrophe.
-Europa verschiebt den Grenzschutz immer mehr nach Afrika, weil man sich dort nicht an die Menschenrechte halten muss. Sie zahlen nur Entwicklungshilfe, wenn die nordafrikanischen Länder Flüchtlinge und Auswanderer schon vor dem Mittelmehr abfangen.

Es gibt natürlich noch mehr Gründe. Eine große Angst ist ja, dass ähnlich wie im Iran bei demokratischen Wahlen radikale Islamisten gewinnen würden. Wenn ein Großteil der Bevölkerung Analphabeten sind und kaum Bildung haben gibt es diese Gefahr tatsächlich, aber es gibt auch gemäßigte islamische Parteien (vergleichbar mit unserer CDU) die keine schlechten Chancen haben. Länder wie Tunesien haben auch eine vergleichsweise große gebildete Mittelschicht, und Demokratie (selbst islamistische) führt in der Regel zu einen gebildeteren Volk, das später auch mal anders wählt.

Und warum muss Demokratie gleich heißen, dass automatisch eine antiwestliche Regierung entsteht? Normalerweise gild: Demokratien führen weniger Kriege als Diktaturen und erzeugen ein gebildeteres und wohlhabenderes Volk.
Ich glaube sogar, dass Marionettenregierungen die Gefahr für eine Radikalisierung noch erhöhen, da diese zwangsweise irgendwann zu Hass und einer Revolution führen.
Jetzt liegt es vor allem daran, wie der Westen, besonders die USA, in den kommenden Monaten handelt. Das hängt auch davon ab, wie sich die Lagen in den Ländern selbst in den nächsten Monaten entwickeln. Wenn wir erneut militärisch (oder über die Geheimdienste und Economic Hit Men) gegen eine Volksbewegung vorgehen, würden wir uns endgültig unglaubwürdig machen. Und bisher finden sagen ja auch alle Politiker, dass sie es gut finden. Die bisherige Haltung Demokratie nach innen Faschismus nach außen muss endlich aufhören, und nie war die Gelegenheit dafür besser.

PS: Die Internetblockaden führen zu allerlei kreativen neuen und alten Ideen wie man trotzdem kommunizieren kann. Teilweise wird wieder über Modem, ins Internet gegangen oder längst tot geglaubte Systeme aus den 80ern wie BBSsen und Fido-Nodes wieder ausgepackt, aber es gibt auch einen massiven Schub für die Entwicklung von völlig dezentralen und zensursicheren Ad Hoc Netzwerken.

Kleines Update: Mittlerweile sollte man das Interesse Chinas an Afrika auch nicht mehr unterschätzen. China spielt eine Doppelrolle: Offiziell verurteilt es die Demonstrationen, aus Angst, das könnte nach China überschwappen, aber eigentlich hat es an der Revolution im Iran stark profitiert. Iran ist perfekt für China: Der Westen boykottiert und China schnappt sich das Öl.
In der Ecke da unten spielen so viele mit beim Poker, dass es verdammt schwierig wird eine echte Demokratie zu bekommen. Die nützt ja der Bevölkerung, nicht dem Ausland. Aber noch gibt es Hoffnung.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s