Kampf der Spin Doctors am Beispiel Guttenberg

Immer diese Zufälle. Zum Beispiel, dass ein Skandal wie der von Guttenbergs Doktorarbeit zufällig kurz vor einem Superwahljahr auftaucht und dazu in einer Phase in der nichts so Aufregendes passiert, was die Titelseiten stattdessen belegen könnte. Zufällig wurde das alles erst bekannt als die Ägypter halbwegs fertig mit ihrer Revolution waren. Ich will hier nicht Gutenberg verteidigen, ich will ein Spiel beschreiben, dass von allen politischen Kräften gespielt wird.

Ein Spiel, das wie so vieles aus den USA kommt. Es geht darum dir Wirkung eines Skandals zu maximieren. Während einer Legislaturperiode hat man jede Menge Zeit nach Leichen in den Kellern der Anderen zu suchen. Die Skandale veröffentlicht man aber nicht wenn man sie entdeckt, sondern dann, wenn sie für einen nützlich sind. In den meisten Fällen also vor Wahlen. Oft ist die Gegenstrategie, die Titelseiten mit etwas anderen zu füllen, wenn ein Skandal auf den hinteren Seiten einer Zeitung steht, ist er kein Skandal mehr. In unserer schnelllebigen Medienwelt reicht es oft auch (wenn man genug Zeit hat) einfach zu warten. Die Medien beschäftigen sich extrem selten länger als eine oder zwei Wochen intensiv mit einen Thema. Oft nur ein paar Tage. Es gibt sogar die Strategie einen Skandal so kompliziert zu machen, dass er nicht in einen zweieinhalb Minuten Beitrag passt. (die faktische Maximallänge eines Radiobeitrages und auch in vielen Nachrichtenshows ist das so) Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist mittlerweile extrem kurz. Komplizierte Sachverhalte, die dazu noch über längere Zeit verfolgt werden müssen überfordern scheinbar viele Leute. Zumindest scheinen das die Medien zu glauben. Das wird natürlich von den Politikern (und auch Stars) ausgenutzt.

Das Alles hat zu einen neuen Beruf geführt: Den Spin Doctor. Diese Menschen hab die Aufgabe einer Geschichte den richtigen Dreh zu verleihen. Sie lügen nicht, sie deuten um. Wikipedia schreibt dazu:

Im Unterschied zu politischen Propagandisten geht es einem Spin-Doctor nicht um die Vermittlung einer bestimmten Ideologie, sondern darum, seinen Auftraggeber, dessen Politik oder andere Personen oder Ereignisse in einem möglichst positiven bzw. negativen Licht darzustellen und in jeder Situation die bestmögliche öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Er arbeitet mit Bildern, Inszenierungen (zum Beispiel Fototerminen, Events für die Kameras der Presse) sowie mit PR und nutzt die Medien für seine Ziele, zum Beispiel über Agenda-Setting). Dabei bleibt er meist im Hintergrund und taucht selten selbst in Medien auf.

Man kann die Arbeit eines Spin Doctors schwer nachweisen, weil er natürlich versucht es so aussehen zu lassen, als wäre die Nachricht die er verbreitet einfach eine normale Nachricht. Und Zeitungen haben ja sowieso immer eine Bestimmte politische Richtung, und deuten auch ohne Spin Doctor Geschichten unterschiedlich. Die Aufgabe eines Spin Doctors ist es also dafür zu sorgen, dass in möglichst vielen Zeitungen die gewünschte Auslegung zu lesen ist. Der Jackpot ist natürlich wenn man eine „gespinte“ Nachricht in eine Nachrichtenagentur geschmuggelt bekommt. Es ist unglaublich wie viele Zeitungen einfach 1 zu 1 die DPA Meldung drucken.

Zurück zu Guttenberg: Zurzeit dreschen fast alle Medien auf ihn ein. Meiner Meinung nach durchaus zu Recht, trotzdem ist es ein gutes Beispiel für eine sauber gespinte Nachricht. Aber die Gegenoffensive startet schon. Bisher nur bei der Bild, von denen auch niemand etwas anderes erwartet hätte, aber immerhin. Klassische Masche: Mit Zitaten arbeiten, die dürfen nämlich falsch oder total parteiisch sein. Da heißt es : „Gerd Langguth ist davon überzeugt, dass der CSU-Star durch die Affäre sogar an Format und Profil gewinnen kann“ oder „Ein Doktortitel macht noch keinen guten Politiker.“ Und „Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein!“. Wir werden sehen wie sich das weiter entwickelt. Immerhin hat Guttenberg ja wirklich Ahnung davon sich selbst zu inszenieren.
Ich mache jetzt mal die Vorhersage, dass in einer Woche auf den Titelseiten und in den Zeitungen kaum noch etwas darüber zu finden sein wird. Dann wird schon die nächste Sau durchs Dorf gejagt.

Das Problem an all dem was ich gerade beschreibe ist, dass die Folgen eines solchen Medienkampfes auf Dauer schlecht für eine Gesellschaft sind. Ich sehe drei Hauptprobleme:

1. Man kann kaum noch zwischen echten Nachrichten und Teilinszenierungen unterscheiden. Das ist nicht nur in der Politik so, auch die Privatwirtschaft hat Agenturen, die versuchen die Nachrichten zu manipulieren. Das bewirkt, dass Nachrichten allgemein ihren Wert verlieren und die Medien das Vertrauen der Menschen.
2. Skandale werden nicht mehr wirklich verarbeitet, da zwei Wochen später wieder eine andere Sau durchs Dorf gejagt wird.
3. Die Taktik Wahlen zu gewinnen, indem man die anderen schlecht macht ist unehrlich und bewirkt die Parteienverdrossenheit der Menschen. Dann wählt man nämlich nur noch eine Partei weil sie nicht so scheiße ist wie die andere. Deshalb gehen auch immer weniger zur Wahl. Ein Wahlkampf sollte auf Ideen basieren alles andere ist Arsch.

Wer zu viel Zeit hat kann sich zu dem Thema Übrigends den Film „Wag the Dog“ anschauen, da wird ein Krieg inszeniert um eine Wahl zu gewinnen. Sehr guter und zynischer Film. Auch „Thank you for Smoking“ möchte ich hier nochmal erwähnen, der das selbe Spiel nur eben bei Tabackfirmen beschreibt.

Der Podcast Alternativlos Folge 9 dreht sich auch um das Thema.

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5 Antworten zu Kampf der Spin Doctors am Beispiel Guttenberg

  1. feliksdzerzhinsky schreibt:

    Man kann kaum noch zwischen echten Nachrichten und Teilinszenierungen unterscheiden.
    Das hat der arme Mann nicht verdient:
    Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!

  2. Frog schreibt:

    Naja wenn er wirklich abgeschrieben hat, ist das schon mies. Ich will mit diesen Beitrag einfach zeigen wie unsere Medienwelt funktioniert und warum so etwas gerade jetzt herauskommt. Ich glaube aber nicht, dass dieser Skandal Guttenberg auf dauer schaden wird. Dein Kommentar beweist das ja schon.

  3. Frog schreibt:

    ah hab die ironie überlesen. sehr lustigen Blog hast du da

    • feliksdzerzhinsky schreibt:

      Satire? Das haben wir glatt übersehen, dass man das so lesen könnte, aber einen Link zu Deinem Beitrag habe ich am Ende eingefügt.
      Um die Debatte mal etwas zu versachlichen, haben wir zusätzlich die Diskussionsgrundlagen übersichtlich zusammengetragen:
      Grundlagen wissenschaftlichen Zitierens
      und dort auch Ihren Beitrag am Ende erwähnt.

  4. Pingback: Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg! « bluthilde

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